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Leo Haas: "Konzentrationslager"

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Wilhelm von Hillern Flinsch: "Terror bleibt Terror von welcher Seite auch immer"

 

Sammlung Gerhard Schneider

Der Autor und Kunstsammler Gerhard Schneider hat bis heute ca. 1500 Bilder weitgehend vergessener oder im Schatten größerer Namen stehender Künstler zusammengetragen.

Viele von ihnen spiegeln paradigmatisch ihre Zeit: vom Ausbruch des Ersten Weltkriegs über die nachfolgende Revolution, die gesellschaftlichen Spannungen der 1920er und frühen 30er Jahre, die grausame Zeit des Naziregimes mit ihrem Rassenwahn und den Greueln des Zweiten Weltkriegs bis hin zu den Folgen der Teilung Deutschlands und der Kritik an der Wohlstandsgesellschaft. 

Dabei erstaunt neben dem künstlerischen Niveau der einmalige Dokumentationscharakter. Die Bedrängungen der Zeit haben eine Reihe von Künstlern zu bisher übersehenen Meisterleistungen getrieben, geprägt von einer künstlerischen Gestaltungshaltung und einer keinen -Ismus verpflichteten Farb- und Formensprache.

Expressive deutsche Kunst der Moderne

Die Kollektion Gerhard Schneider gilt als bedeutendste zur expressiven deutschen Kunst der zweiten Generation der Moderne, die durch die wirren Zeitläufe des 20. Jahrhunderts in Vergessenheit geriet, insbesondere durch die Verfemungsaktionen des Nationalsozialismus, die Kriegsfolgen und die Schmähung der sogenannten „Formalisten“ durch die Einforderung eines „Sozialistischen Realismus“ in der ehemaligen DDR.

Die Sammlung ist bislang in den beiden Grundlagenwerken „Verfemt-Vergessen-Wiederentdeckt“und „Expressive Gegenständlichkeit. Schicksale figurativer Malerei und Grafik im 20. Jahrhundert“ in wesentlichen Teilen dokumentiert. Die Kataloge begleiteten mehrere Ausstellungen in der Bundesrepublik und hatten im In- und Ausland ein großes Medienecho.

Aber auch die Überbetonung ungegenständlichen Schaffens in der Bundesrepublik während des Kalten Krieges ließ die Generation der um 1900 Geborenen, die in der figurativen Expression ihr angemessenes Ausdrucksmittel sahen, lange Zeit zu einer „verschollenen Generation“ (Rainer Zimmermann) werden. Ein besonderes Merkmal der Sammlung Gerhard Schneider liegt in der durchgängigen Strukturierung auf historischer Grundlage mit von Künstlern selbstgeschaffenen Beispielen ihrer Zeiterlebnisse und Leiden, etwa in Internierungs- und überlebten Konzentrationslagern oder auch den erlebten Schrecken des Krieges.

Literaturhinweise

Verfemt - Vergessen - Wiederentdeckt

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Kunst expressiver Gegenständlichkeit aus der Sammlung Gerhard Schneider

Herausgegeben von Rolf Jessewitsch und Gerhard Schneider, Wienand Verlag, Köln 1999

"Expressive Gegenständlichkeit - Schicksale figurativer Malerei und Grafik im 20. Jahrhundert: Werke aus der Sammlung Gerhard Schneider"

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Herausgegeben von Rolf Jessewitsch, Gerhard Schneider, Axel Wendelberger, druckVerlag Kettler, Bönen/Westfalen 2001